HeidelBergheim

Dienstag, 29. September 2009

Natascha

Aus gegebenem Anlass sinniere ich über die Vor- und Nachtteile von Dominikaner Pils in Dosen. Etwas wässrig schmeckt es vielleicht, spätestens nach 1 1/2 Dosen interessiert den Konsumenten dies allerdings etwa genauso wenig wie der Kohlensäuregehalt im Bier.


1,14 Euro, exakt abgezählt in rotbraunen Münzen und Restbeständen an Leergut, bezahlen der Rheinländer und ich in der Araltankstelle an der Bergheimer Straße, da die Esso um die Ecke schon geschlossen hat. Nachdem wir beide zunächst jeweils eine große Dose Faxe anstrebten, um den Abend in der Platte so würdig wie möglich zu gestalten, wies uns die zugegeben etwas entnervt wirkende junge Frau hinter der Kasse darauf hin, dass uns exakt 19 Cent fehlten.

Trotz absolut nüchterner und äußerst schlüssiger Argmentationsstränge unsererseits scheiterten wir allerdings an ihrer kruppstahlharten betriebswirtschaftlichen Denkweise und griffen so zum wohlgeschätzten Dominikaner Pils.

Hätte ich nicht knapp einen Liter dieses Klosterbräus intus, würde ich diesen Post wohl gar nicht senden.

Ursprünglich hatte ich sowieso nur geplant, schnippisch danach zu fragen, was Sie, werte Leser, wohl für einen Beruf hinter bzw. in (dem Namen) Natascha vermuten. Natürlich nur in Verbindung mit der grafischen Darstellung mittels Pfeil.

Dass der Rheinländer sich mit dem Lüften seiner äußerst geschmackvollen Hiphopkappe in die Nacht verabschiedet, spricht wohl für sich.

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Mittwoch, 23. September 2009

Ohne Worte (2): Driving Home

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Sonntag, 20. September 2009

Willi Wills Wissen

Willi sitzt im Zug von Frankfurt nach Kassel.

Willi sitzt neben mir.
Willi ist ca. 75 Jahre alt.
Willi war heute mit Schwiegersohn und Enkeln auf der IAA.
Willi sitzt auf der Treppe des Zuges. Neben mir, allerdings so, dass ich ihn nicht sehen kann.
Willi ist dem Biergeruch und der dicken Fußballfanluft im Zug nicht gewachsen.
Willi kann seinen Mageninhalt nicht im Magen halten.
Willi erbricht sich auf sein Poloshirt und in die VW-Tüte.
Willis Erbrochenes riecht nicht gut.
Willi nimmt plötzlich Einfluss auf das ganze Zugabteil.
Willi röchelt ununterbrochen.

Zum Glück ist Willi nicht neben mir gestorben. Und die Eintrachtfans auch nicht.

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Samstag, 19. September 2009

Orange

Es gibt ja viele Klischees über Holländer. Meine Wenigkeit jedenfalls besucht unsere Nachbarn das erste Mal im Leben und ich muss sagen, es ist ein relativ erkenntnisreicher Aufenthalt.

Es ist tatsächlich alles Orange. Das sage ich nicht, um dem Deutschen ein selbstzufriedenes Lächeln ins Gesicht zu zaubern, nein, es ist tatsächlich so. Zumindest meistens. Der erste Eindruck, den ich bekam, war, natürlich, ein Bahnhof. Ich glaube, wenn das so weiter geht, werde ich in einem Jahr jeden Bahnhofspenner beim Namen nennen können.

Der erste Eindruck also war der Bahnhof von Utrecht. Da ich dort nur zehn Minuten Aufenthalt hatte, bis der IC nach Den Haag abfuhr, kann man diesen Eindruck ganz gelassen als unwichtig deklarieren. Der nächste Eindruck war der IC. Vor allem innen mussten sich meine Augen spontan an das grelle Leuchten, dass aus dem Großraumwagen in alle Richtungen strahlte gewöhnen: Orange.

Kurz bildete ich mir auf der Fahrt mit Blick auf die Autobahn ein, Holländer benützten weiße Fahrbahnmakierungen um Baustellen zu kennzeichnen und (selbstverständlich) Orange für den ganz normalen Straßenverkehr. Ich musste allerdings recht schnell feststellen, dass dies ein Trugschluss war.

Bei allen Vorurteilen: Es gefällt mir gut bei unseren Nachbarn. Und die Menschen hier sind äußerst nett und zuvorkommend, allerdings hat man als Deutscher immer das Gefühl, in der eigenen Sprache keine bösen Sachen sagen zu dürfen, da man ja verstanden werden könnte. Also muss ich unbedingt Holländisch lernen.

Übrigens habe ich keinen als generalisiert zu bezeichnenden Phänotypen des gemeinen Holländers erkennen können.

Für das Bild stehe ich heute tief in der Schuld von Talula.

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Sonntag, 13. September 2009

Überlebenstips

Sollte einer von Ihnen das Fahrrad auch für Strecken nutzen, die eine Länge von 5 Kilometern überschreiten, empfehle ich Ihnen, die Gefahr eines Wetterumschwungs NIEMALS zu unterschätzen.


Sollten Sie trotz allem trockenen Rades am gewünschten Zielort angekommen sein und der Wettergott zur Heimreise keine Gnade walten lassen, so bleiben Ihnen exakt zwei Möglichkeiten:

1. Suchen Sie sich eine Möglichkeit zum Verweilen. Freunde, Bekannte, Feinde oder Penner, die noch ein Plätzchen unter der Zeitung frei haben. Übernachten Sie, machen Sie sich einen Tee, schauen Sie fern, suchen Sie sich einen Sexualpartner in der Nähe oder vertreiben Sie sich sonst auf irgendeine Art und Weise Ihre Zeit bis zum nächsten Morgen.

2. Fahren Sie nach Hause. Durch den Regen. Im Idealfall haben Sie Jacken, Hüte, Windschutzscheiben und vor allem Schutzbleche in der Hosentasche.

Warum nicht unterstellen? Ganz einfach: Es wir nicht aufhören zu regnen. Die ganze Nacht nicht. Deshalb Übernachtungsmöglichkeit suchen.

Trotzdem wird es selbstverständlich aufhören zu regnen, wenn Sie gerade in Begriff sind, die Haustüre Ihres kalten Heimes zu öffnen, sollten Sie doch im Regen nach Hause gefahren sein.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls Erfolg bei diesem Unternehmen und werde mir jetzt einen weiteren Brennnesseltee machen. Ein ganz wunderbares Wort.

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Freitag, 11. September 2009

Das erste mal seit 2 1/2 Monaten geht die Terrassentür meines Nachbarn auf. Paralysiert starre ich unauffällig rüber und male mir aus, was für ein Mensch nun wohl ins Tageslicht treten wird. Es ist ein Mann, groß, schlank, glatzköpfig. Er trägt eine Brille. Sein Alter ist schwer zu schätzen, da ich festgestellt habe, dass die Menschen in diesen riesigen Betonklötzen meist älter aussehen als sie sind. Seine Haut gleicht der eines Albinos und ich sehe sie bis kurz vor der Leiste, da er eine weiße Adidasshort trägt, die so einige Einblicke in seine Beinpflege gewährt.


Das obligatorische Feinrippunterhemd darf natürlich auch hier nicht fehlen, das Highlight dieses Outfits jedoch stellen für mich ganz klar die himmelblauen Söckchen in den braunen Birkenstocksandalen dar.

Was will dieser Mensch auf seiner vollgestellten Terrasse? Noch während ich grübele bückt er sich auf den Boden, was mir einen ungehinderten Blick auf sein Hinterteil verschafft, um etwas aufzuheben: Eine Sonnenblume. Ich bin ehrlich gerührt. Er stellt sie hinter dem blauen Fahrrad, dass seiner Bestimmung seit ich hier wohne nie folgte, auf und verschwindet wieder in der Wohnung. Die Tür lässt er offen stehen, weshalb ich noch ein wenig an meinem Platz verweile.

Nach einer Minute des Wartens taucht er wieder auf und hat gefunden, was er gesucht hat. Er gießt die Pflanze mit Wasser (?) aus einem Nachttopf (!).

Ich bin nicht mehr gerührt. Ehrlich nicht.

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Donnerstag, 10. September 2009

Wehe, wenn!


Die Frage, die sich bei diesem Anblick in der Emil-Maier-Straße zwangsläufig aufdrängt ist doch: "Welche Rechtsansprüche darf ich geltend machen, wenn diese Vollidioten meine Karre abschleppen?"

Andererseits ist das Sprüchlein auf dem Schild so sehr in das Hirn eines jeden zivilisierten Menschen eingebrannt, dass man vor Gericht sicher die Frage beantworten müsste, ob man sich nicht hätte denken können, was einem in der Mittagssonne so unverständlich entgegen schimmerte. Andererseits weiß man unter Umständen nicht einmal, wer einen da vor den Richter gezerrt hat, denn nicht einmal das kann man dem Schild entnehmen.

Auf dem Rückweg war die Fußgängerampel gegenüber des zu sehenden Schildes das erste mal Rot. Das wäre beinahe sehr schief ausgegangen.

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Mittwoch, 9. September 2009

Die ganz ganz neuen Leiden des jungen Werther

Nicht nur die Suche nach einem neuen Hausarzt, auch die Tatsache des 09. Septembers, meines ganz persönlichen Monatsendes, erschweren mir derzeit das Leben.


So habe ich derzeit kein Geld für Arznei und bin gezwungen, mich der Restbestände der Wohngemeinschaft zu bedienen. Oben sehen Sie, was damit gemeint ist. Und ja, es schmeckt genau so, wie es aussieht. Ich bin also jedweder Virenart hilflos ausgesetzt, zappele innerlich ob der chronischen Untätigkeit wie ein Maikäfer auf dem Rücken und versuche, die möglichen Nebenwirkungen, die sich mein hypochondrisches Unterbewusstsein natürlich sofort nach dem Lesen der Packungsaufschrift (merke: nicht nach dem Einnehmen, das erst später erfolgt, nein, nach dem Lesen) aneignet und auf den Körper zu übertragen versucht, zu bekämpfen.

Der Vorrat an Taschentüchern neigt sich bedrohlich schnell dem Ende zu und ich sitze völlig rat-, tat- und machtlos daneben.

Ich weiß, es wäre übertrieben, einen nahen Tod zu vermuten, dennoch möchte ich unterstreichen, dass meine Situation durchaus nicht zu unterschätzen ist! (Diese Zeile widme ich Talula.)

Darüber hinaus bleibt es mir natürlich nicht erspart, mir circa zwei bis drei Liter Nasenspray pro Tag durch meine Nebenhöhlen zu pfeifen, was mir selbst ein eher unangenehmes Gefühl und die Angst vor dem allgemein bekannten Suchtpotential dieses Teufelszeugs beschert.

Sie sehen, es steht schlecht um mich. Sollten wir uns an diesem Orte tatsächlich wiedersehen, wie ich hoffe, werde ich Sie hoffentlich wieder mit schadenfrohem Gelächter über andere, tragische Persönlichkeiten und Fremde beglücken.

Wie sonst auch.

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Dienstag, 8. September 2009

Vom Urteilen über Fremde

Es gibt tatsächlich Menschen, deren Geschichte zu erschließen ich aufgegeben habe. Als ich heute zurück nach Heidelberg fahren möchte, spricht mich eine Frau in den 30ern an, deren äußerliches Erscheinungsbild mehr als abenteuerlich ist:

Zunächst wären da die unglaublich seltsamen Proportionen zu erwähnen. Ich schwöre, niemals zuvor Waden solchen Volumens gesehen zu haben. Bekleidet waren diese mit einer weißen, undurchsichtigen Strumpfhose, an der sich wiederum weiße Tennissocken, die ihrerseits in beigen, sicherlich günstig erstandenen, Sandalen eingebettet waren, hochhangelten.

Die Füße übrigens wurden in die eben erwähnten Sandalen gepresst, dass es mir schon vom zusehen einen Schmerz in den unteren Extremitäten auslöste. Wie kleine Würstchen wurde jede Vene sichtbar.

Überdeckt wurde zumindest der Anblick der Strumpfhosenbeine von einem leicht durchsichtigen blauen Rock mit unbeschreiblichen weißen Applikationen, der etwas synthetisch aussah.

Weiße Strickjacke und seltsame Bluse vollendeten das Gesamtbild.

Das heißt, nicht ganz. Das berühmte Tüpfelchen auf dem i trat diesmal durch mithilfe einer Frisur (so das ganze so bezeichnet werden darf) in Erscheinung. Die gute Frau sah um den Kopf herum aus wie eine Rock-Zopflerin, die heute morgen nur sehr schlecht aus dem Bett gekommen ist.

Das sie dieser religiösen Splittergruppe garantiert nicht auf den Leim gegangen ist, wurde nur allzu deutlich, als sie mich in perfektem und sehr gewähltem Deutsch ansprach:

„Guten Morgen. Entschuldigen Sie, aber haben Sie vielleicht Interesse an einem Zippo?“

(Dannach wusste ich dann, was zuhauf in ihrer Obsttüte befindlich war)

Ich denke, auf so seltsame Art und Weise hat mich bisher noch niemand sprachlos machen können.

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Freitag, 4. September 2009

Unverschämte urbane Probleme


Ich stelle mir gerne vor, wie dieser arme Mensch Tag für Tag früher aufsteht, im Dunkel der aktuell nasskalten Seitengassen in Heidelbergs Altstadt gegen 4:30 Uhr in der Früh lauert, bis ein Schatten an der Häuserwand auftauch und blitzschnell an ihm vorbeihuscht. Im Gepäck hat er die Süddeutsche, ein Bildungsbürger, der den Kick sucht.

Denn mal ehrlich: Welcher Kleinkriminelle liest denn tatsächlich die Süddeutsche? Würde er die Bild oder den Express stehlen, so sähe man zumindest das Klischee bestätigt. Aber die Süddeutsche?

Wie man es auch dreht und wendet, eigentlich kommt nur ein Schluss in Frage: es muss etwas persönliches sein.

Bei uns jedenfalls, aufm Dorf, damals, hätte es sowas nicht gegeben! Vielleicht sollte der Geschädigte sich einfach einen geschlossenen Briefkasten zulegen.

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