HeidelBergheim

Mittwoch, 11. November 2009

Spezies: Mensch des 21. Jahrhunderts

Hauptbahnhof Heidelberg, Sonntag Nachmittag. Zunächst erscheint mir alles wie gewohnt, ich schlendere durch die Überführung in Richtung Bahnhofshalle, ergötze mich an der Lächerlichkeit meiner ständigen Angst um wertvolle Minuten bezüglich des Umsteigens am nächsten Bahnhof und stocke plötzlich, als ich feststelle, dass die Bahnhofshalle ungewöhnlich voll ist.


Eine kleine Ansammlung von Menschen, die nicht so aussehen als gehörten sie zusammen, verstopft mit stoischem Blick in ein und die selbe Richtung den Weg zum Vorplatz. Nachdem ich mich durch die Massen gekämpft habe und schon fast an meinem vorläufigen Ziel angelangt bin, überlasse ich meiner Sensationsgeilheit für einen kurzen Moment die Kontrolle über meine Ratio. Mein Kopf schwenkt also unweigerlich nach rechts, um eine kleine Nische in der Masse zu finden und zu entdecken, was so interessant scheint:

In einem Radius von circa fünf Metern haben Polizisten mittels Absperrband einen herrenlosen Koffer gesichert und sind jetzt hauptsächlich damit beschäftigt, die Passanten zum Weitergehen zu animieren. Sofort verlasse ich fluchtartig den Bahnhof und kann mir einige verachtende Gedanken nicht verkneifen.

Wie kann man denn regungslos das verantwortliche Objekt seines möglicherweise kurz bevorstehenden, noch dazu äußerst unschönen, Todes minutenlang anstarren?

Oder anders gefragt: Wie kann man denn stundenlang aktiv die Verbreitung eines unerforschten Virus mittels karnevalesken Rumleckereien an fremden Gläsern, Mündern und Schleimhäuten am ganzen Körper unterstützen?

Und zu guter Letzt: Wie kann man denn dann noch von sich behaupten, die Krone der Schöpfung/der zufällig existierenden Realität und zu allem Überfluss auch noch intelligent zu sein?

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Samstag, 7. November 2009

Heil!

Am Mainzer Bahnhof hat entweder irgendjemand irgendetwas ganz gewaltig falsch verstanden oder seinem unbändigen Zynismus freien Lauf gelassen.


So sieht das auch der rauchende Tarnmusterjackenträger, der, mittags um halb zwei sein erstes (?) Köstritzer Schwarzbier trinkend, meine fotografischen Aktivitäten beobachtet.

"Wasn Idiot, der dass da geschrieben hat! Eigentlich müsste da "Heil dem deutschen Reiche" stehen!"

Seine Argumentation als durchaus schlüssig erkannt, wähle ich den Weg der Zustimmung mittels heftigen Nickens, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass der gute Mann ca. zwei Meter größer ist als ich und Köstritzer Schwarzbier um halb zwei am Mittag trinkt. Leider glaubt er aufgrund meiner Zustimmung ganz offensichtlich, dass er in mir einen neuen Freund gefunden hat und beginnt damit, die komplette halbe Stunde Wartezeit die noch verbleibt damit, mich zuzutexten.

Praktischerweise ziehen just in diesem Moment auf der Brücke die Mannschaftsbusse des FSV und der Hannoveraner vorbei, womit praktischerweise auch gleich ein Gesprächsthema gefunden scheint.

Über Politik reden wir allerdings nicht mehr, ich hätte im Nachhinein allerdings sehr an mir interessiert gerne meine Naziqualitäten ausgetestet.

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