
1.: Zunächst ist zu erwähnen, dass man als Kunde zweiter Klasse (provokante Wortwahl, ich weiß) immer das Problem hat, dass auch andere zweitklassige Kunden existieren, die zumeist andere Schwerpunkte in ihrem Leben setzen als ich. Ich möchte mich damit natürlich nicht als einen höherrangigen Menschen darstellen, allerdings gibt es unangenehme Unterschiede, die vor allem meine Nase im Regionalexpress letzten Freitag durchaus tangierten. Allein aus Höflichkeit blieb ich neben dem etwas älteren Mann sitzen, der wohl den Großteil seines Besitzes in einer Edekatüte bei sich trug, die garantiert keine Hygieneartikel enthielt.
2.: Des weiteren würden mich als Kunden erster Klasse die überhöhten Preise der Automaten mit allerlei Erfrischungen an den Bahnsteigen nicht mehr jucken. Zumindest nicht so sehr wie derzeit.
3.: Ich müsste nicht mehr mit Tieren, insbesondere Hunden von mindestens 135 Kilogramm, kämpfen.
4.: Ich müsste nicht mehr mit Menschen, insbesondere Kleinkindern und Babys von weniger als 135 Kilogramm, kämpfen.
5.: Ich müsste keine Schulklassen mehr ertragen. Vorweg die Frage: Seit wann kann sich eine sechste Klasse eine Fahrt mit dem IC erlauben/leisten?
Es existieren filigrane Unterschiede zwischen Schulklassen, insbesondere in der Unter- und Mittelstufe. Eine Erkenntnis, die mich einen Haufen Durchhaltevermögen und literweise Schweiß gekostet hat.
Die Klassen eins bis sechs erweisen sich als laut. Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen. Und der Eindruck, den die meisten Aufsichtspersonen dieser Klassen vermitteln ruft bei mir meist nur Mitleid hervor.
Die Klasse sieben hat einen gewissen Sonderstatus. Das Verhalten der meisten Schüler dieser Klassenstufe ähnelt sehr dem der Klassen eins bis sechs (hierbei variiert natürlich der Inhalt der Gespräche, der Lautstärkepegel bleibt überraschend konstant), allerdings kommen erste Anzeichen der Pubertät auf, die zunächst körperlich bleiben: Schweißgeruch. Und natürlicherweise kein Gefühl für die richtige Dosierung des Deodorants, wobei es als Segen zu erachten gilt, wenn überhaupt künstliche Duftstoffe den Raum durchdringen. Immernoch erträglicher als Schweißgeruch.
Ab der Klasse acht bis hin zur zehn (mindestens) nimmt die Überdosierung der Hygieneartikel langsam aber sicher ab. Eine schier unerträgliche Mischung aus stimmbrüchigem Gekrächze aus allen Ecken und Enden des Zuges und peinlichstes, pubertäres Verhalten aus Paarungsgründen löst bei mir verzweifelte Erheiterung aus, da ein Entkommen weder durch Kommunikationsversuche meinerseits, noch durch Ignoranz möglich ist.
Die Bahn darf sich meiner Unterstützung gewiss sein, sollte ich jemals in die Erstklassigkeit aufzusteigen in der Lage sein.
Labels: Bahn, Kinder, Menschen, öffentliche Verkehrsmittel