HeidelBergheim

Samstag, 3. Oktober 2009

Bus statt Bahn

Ich könnte natürlich wieder ellenlange Texte über die insgesamt drei verspäteten ICEs schreiben, die mir heute wieder einmal den Tag versüßten. Doch lassen wir das einstweilen und wenden uns einem anderen Thema zu: Wäldern und den dazugehörigen Provinzen.

Ich fand mich plötzlich und unerwartet mitten in der Rheinebene zwischen grünen Hügeln und braunen Kühen wieder und war zunächst leicht überfordert, da mein Bestreben, eine Bushaltestelle zu finden, auf Teufel komm raus keinen Erfolg haben wollte. Ich lief die mir angegebene Straße auf und ab und konnte das gelbe H auf grünem Grund, das mir wie sonst kaum etwas in dieser Welt zuwider ist, einfach nicht finden.

Beim dritten Versuch, ich sah mich den Bus schon verpassen und meine Nacht unter einer Kuckucksuhr verbringen, fiel mir dann ein mit ausrangierten Autofelgen beschwerter Holzpfahl auf, auf dem ein Pappschild (!) mit handgemaltem, grünem H auf gelben Grund (ja, die Farbwahl war missglückt) angebracht war. Ungläubig und mit der Befürchtung, einem schlechten Scherz des hiesigen Schützenvereins (Foto) unterlaufen zu sein starrte ich minutenlang auf das Schild.

Abgelöst, die Schrauben lagen auf dem Boden, lag neben der Konstruktion unter der Felge ein laminiertes Stück Papier: Der Fahrplan. Ich wartete, der Bus kam auf der anderen Seite an, ich überließ mich ungläubig meinem Schicksal und stieg ein.

62 lange Minuten bis Heidelberg Hauptbahnhof saß ich alleine in diesem Bus, rätselnd, ob sich meine 4,20 Euro für den Busunternehmer tatsächlich rentieren und kam schließlich und endlich, vor allem aber tatsächlich und wohlbehalten an.

Nie war es nötiger, dies zu unterstreichen, aber ja, alles an den hier getätigten Beschreibungen entspricht der Wahrheit. Ob Sies glauben oder nicht.

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Samstag, 19. September 2009

Orange

Es gibt ja viele Klischees über Holländer. Meine Wenigkeit jedenfalls besucht unsere Nachbarn das erste Mal im Leben und ich muss sagen, es ist ein relativ erkenntnisreicher Aufenthalt.

Es ist tatsächlich alles Orange. Das sage ich nicht, um dem Deutschen ein selbstzufriedenes Lächeln ins Gesicht zu zaubern, nein, es ist tatsächlich so. Zumindest meistens. Der erste Eindruck, den ich bekam, war, natürlich, ein Bahnhof. Ich glaube, wenn das so weiter geht, werde ich in einem Jahr jeden Bahnhofspenner beim Namen nennen können.

Der erste Eindruck also war der Bahnhof von Utrecht. Da ich dort nur zehn Minuten Aufenthalt hatte, bis der IC nach Den Haag abfuhr, kann man diesen Eindruck ganz gelassen als unwichtig deklarieren. Der nächste Eindruck war der IC. Vor allem innen mussten sich meine Augen spontan an das grelle Leuchten, dass aus dem Großraumwagen in alle Richtungen strahlte gewöhnen: Orange.

Kurz bildete ich mir auf der Fahrt mit Blick auf die Autobahn ein, Holländer benützten weiße Fahrbahnmakierungen um Baustellen zu kennzeichnen und (selbstverständlich) Orange für den ganz normalen Straßenverkehr. Ich musste allerdings recht schnell feststellen, dass dies ein Trugschluss war.

Bei allen Vorurteilen: Es gefällt mir gut bei unseren Nachbarn. Und die Menschen hier sind äußerst nett und zuvorkommend, allerdings hat man als Deutscher immer das Gefühl, in der eigenen Sprache keine bösen Sachen sagen zu dürfen, da man ja verstanden werden könnte. Also muss ich unbedingt Holländisch lernen.

Übrigens habe ich keinen als generalisiert zu bezeichnenden Phänotypen des gemeinen Holländers erkennen können.

Für das Bild stehe ich heute tief in der Schuld von Talula.

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