HeidelBergheim

Dienstag, 9. Februar 2010

Das machst du aber gut!

Die Pädagogik an sich ist ja auch wissenschaftlich ein überaus interessantes Gebiet, das dem Menschen noch immer Rätsel aufgibt. Man kann natürlich gezielte Manipulation vorwerfen, über fragwürdige Methoden diskutieren usw. Was jedoch immer noch das Unterhaltsamste an dieser Wissenschaft für sich darstellt, sind definitiv die Widersprüche im Handeln selbsternannter Erziehungsprofis wie eher ungeeigneten Eltern.


Für eine fröhliche, studentische, rücksichtslose und äußerst ignorante Feierei fehlte uns also so gegen 23:30 Uhr noch ein probates Mittel, um die eigenen Sinne zu vernebeln bzw. das eigene Bewusstsein ein wenig ins Unkontrollierbare zu befördern. Nachdem wir an der Shell um die Ecke uns mit entsprechenden Mittelchen eingedeckt hatten, fiel uns auf dem Rückweg eine Frau auf, die ihre beiden Sprösslinge über den Zaun neben besagter Tankstelle klettern ließ. Etwas verdutzt warteten wir auf eine gehörige Standpauke, Hinweise darauf, das man so etwas einfach nicht macht und das die beiden Jungs ganz ganz böse Menschen sind.

Nichts dergleichen, alles was uns zu Ohren kam war folgendes:

"Ganz prima, das könnt ihr aber toll!"

Das die Jugend also in die Illegalität abdriftet kann für mich nicht mehr unbegründet bleiben.

Unsere fröhliche, studentische, rücksichtslose und äußerst ignorante Feierei blieb dabei natürlich vollkommen legal.

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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Wohngemeinschaften

Mittellose Menschen, die mehr oder weniger freiwillig zusammenleben dürfen bzw. müssen, eine Wohnung, deren Einrichtung dem unglaublichen Raumangebot einfach nicht gerecht wird und natürlich ein üppig ausgestattetes Wohnzimmer (Foto).


Die Zutaten für mein derzeitiges Übergangsleben. Dazu kommt, dass in diesem Hause immer wieder nette Situationen aufkommen und damit verbunden die überaus spannende Tatsache, dass ausgerechnet unsere Wohnung die einzige im ganzen Haus zu sein scheint, der man keinen Türspion gegönnt hat.

Heute morgen sitze ich im Wohnzimmer und versuche, dem Chaos auf meiner Festplatte gerecht zu werden, während ich darauf warte, dass meine Mitbewohner, die allerspätestens um zehne (Achtung, badisch) aufstehen wollten um Pancakes zu machen, als es an der Tür klingelt. Gemächlich laufe ich durch Wohnzimmer und Flur, gelange an der Tür an, öffne (Gribbeln im Bauch wie immer, es könnten ja wieder die Zeugen Jehovas oder Amnesty International sein), und sehe: Nichts.

Niemand steht da. Etwas verdutzt schließe ich die Tür, ermahne mich selbst zur Rufbereitschaft sobald es klingelt, damit ich diese Schlingel auch bloß erwische, sollten sie es wagen zu nachtschlafender Zeit nochmal meine Klingel zu benutzen.

Es klingelt.

In einer halsbrecherischen Aktion aus Aufspringen, losrennen, die Fernbedienung wieder aufheben und Tür aufreißen gelingt es mir, innerhalb von 1,3 Sekunden vor der geöffneten Tür zu stehen und mit dem in dieser Situation grimmigsten Blick rauszustarren.

Niemand da. Nicht eine Menschenseele auf dem gesamten Flur ist zu sehen, wohl aber das Flurlicht scheint betätigt worden zu sein. Zwangsläufig muss als jemand da sein, ich bilde mir sogar ein, den Feind riechen zu können. In Uhrzeitlicher Schockstarre stehe ich bis an den Rand mit Adrenalin gefüllt im Türrahmen und warte auf meine Beute.

Nach einer halben Minute taucht ein Mann auf: Der Hausmeister (den ich heute übrigens das erste Mal treffe). Es gibt offensichtlich ein Problem mit den Klingeln und der arme, durchaus sympathische Mensch erklärt in seinem badischen Kauderwelsch, wie verzweifelt er danach suche und dass das Haus so groß sei, dass er wohl nie die Lösung fände.

Mein Nachbar, der inzwischen ebenfalls zwei mal an die Tür geeilt ist, beruhigt den guten Mann noch etwas und ich kann mittels Tee meinen Hormonspiegel weitestgehend ausgleichen.

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Dienstag, 29. September 2009

Natascha

Aus gegebenem Anlass sinniere ich über die Vor- und Nachtteile von Dominikaner Pils in Dosen. Etwas wässrig schmeckt es vielleicht, spätestens nach 1 1/2 Dosen interessiert den Konsumenten dies allerdings etwa genauso wenig wie der Kohlensäuregehalt im Bier.


1,14 Euro, exakt abgezählt in rotbraunen Münzen und Restbeständen an Leergut, bezahlen der Rheinländer und ich in der Araltankstelle an der Bergheimer Straße, da die Esso um die Ecke schon geschlossen hat. Nachdem wir beide zunächst jeweils eine große Dose Faxe anstrebten, um den Abend in der Platte so würdig wie möglich zu gestalten, wies uns die zugegeben etwas entnervt wirkende junge Frau hinter der Kasse darauf hin, dass uns exakt 19 Cent fehlten.

Trotz absolut nüchterner und äußerst schlüssiger Argmentationsstränge unsererseits scheiterten wir allerdings an ihrer kruppstahlharten betriebswirtschaftlichen Denkweise und griffen so zum wohlgeschätzten Dominikaner Pils.

Hätte ich nicht knapp einen Liter dieses Klosterbräus intus, würde ich diesen Post wohl gar nicht senden.

Ursprünglich hatte ich sowieso nur geplant, schnippisch danach zu fragen, was Sie, werte Leser, wohl für einen Beruf hinter bzw. in (dem Namen) Natascha vermuten. Natürlich nur in Verbindung mit der grafischen Darstellung mittels Pfeil.

Dass der Rheinländer sich mit dem Lüften seiner äußerst geschmackvollen Hiphopkappe in die Nacht verabschiedet, spricht wohl für sich.

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Mittwoch, 23. September 2009

Ohne Worte (2): Driving Home

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Freitag, 11. September 2009

Das erste mal seit 2 1/2 Monaten geht die Terrassentür meines Nachbarn auf. Paralysiert starre ich unauffällig rüber und male mir aus, was für ein Mensch nun wohl ins Tageslicht treten wird. Es ist ein Mann, groß, schlank, glatzköpfig. Er trägt eine Brille. Sein Alter ist schwer zu schätzen, da ich festgestellt habe, dass die Menschen in diesen riesigen Betonklötzen meist älter aussehen als sie sind. Seine Haut gleicht der eines Albinos und ich sehe sie bis kurz vor der Leiste, da er eine weiße Adidasshort trägt, die so einige Einblicke in seine Beinpflege gewährt.


Das obligatorische Feinrippunterhemd darf natürlich auch hier nicht fehlen, das Highlight dieses Outfits jedoch stellen für mich ganz klar die himmelblauen Söckchen in den braunen Birkenstocksandalen dar.

Was will dieser Mensch auf seiner vollgestellten Terrasse? Noch während ich grübele bückt er sich auf den Boden, was mir einen ungehinderten Blick auf sein Hinterteil verschafft, um etwas aufzuheben: Eine Sonnenblume. Ich bin ehrlich gerührt. Er stellt sie hinter dem blauen Fahrrad, dass seiner Bestimmung seit ich hier wohne nie folgte, auf und verschwindet wieder in der Wohnung. Die Tür lässt er offen stehen, weshalb ich noch ein wenig an meinem Platz verweile.

Nach einer Minute des Wartens taucht er wieder auf und hat gefunden, was er gesucht hat. Er gießt die Pflanze mit Wasser (?) aus einem Nachttopf (!).

Ich bin nicht mehr gerührt. Ehrlich nicht.

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Freitag, 28. August 2009

Ästhetik.

Fettige Haare, übergroße Sonnenbrille (nein, keine Piloten- bzw. Pornobrille), die die Augenringe verdeckt, fleckige Hose und ausgelatschte Schuhe. Einem Obdachlosen zumindest näher als einem Geschäftsmann (wobei ich heute wieder diverse Obdachlose mit maßstabslos ungepflegterem Erscheinungsbild beobachten durfte).


Rahmenfarbe des Fahrrads: Lila. Ein Stadtrad, allerdings kein sehr stylisches, da es sich um ein Herrenrad handelt. Klare, einfache Linien, kein gebogener Lenker oder sonstiger Schnickschnack, der das angeblich so verhasste typische Studentenrad (meist von Peugeot) dann doch so liebenswert erscheinen lässt. Ich frage mich sowieso, warum alle immer von ihren "scheiß Klapperkisten" reden, eigentlich wollen sie doch gar kein neues, funktionierendes Rad.
Zurück zum lila Rad: Die Griffe sind abgewetzt, der hintere Reifen steht kurz vor der Kapitulation ob der unangenehm hohen Bordsteine und der Gepäckträger war nie wirklich einer. Das Vorderlicht flackert nur noch unter dem ständigen Stöhnen und Ächzen des Dynamos.

An der Lenkstange hängt eine Packung Klopapier, aus dem Rucksack (das einzig hochwertige und ernstzunehmende Attribut in dieser Szenerie) des Fahrers reckt sich der Enge und Dunkelheit entfliehend ein kümmerlicher Bund Schnittlauch und mit der linken Hand transportiert der etwas unsicher wirkende junge Mann eine Packung Eier, die dem Erdboden bereits näher als der Pfanne erscheinen.

Das alles bin natürlich, Sie ahnten es bereits, ich selbst.

Einkaufen mit dem Fahrrad (vor allem ohne Körbchen) will gelernt sein!

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Sonntag, 16. August 2009

Das Grauen des Morgens

Es wird ein ähnlich heißer Tag wie gestern. Ich stehe auf der Terrasse und trinke meinen letzten Schluck Kaffee, bevor meine Reise losgeht.


Der Morgen graut, irgendwo röchelt und hustet sich ein Mann fast in den Tod und lässt dank geöffnetem Schlafzimmerfenster das ganze Viertel daran teilhaben.

In der Ferne rauscht in nahezu symbolischer Gleichmäßigkeit ganz rastlos das Autobahnkreuz an mir vorbei, unterbrochen nur von der Straßenbahn, die in Abständen von zehn Minuten Halt in der Gneisenaustraße sucht.

Ein kleiner Vogel erscheint drei Terrassen weiter und hüpft nun langsam aber konstant auf mich zu. Er braucht fast bis zum Ende des Kaffees, der mittlerweile lauwarm geworden ist, bis er vor meinen Füßen erscheint. Reflexartig und äußerst unbeholfen versuche ich, die Tür zu schließen, ein Vogel ist das letzte, was ich so kurz vor der Abreise in der Wohnung gebrauchen kann.

Doch dann wendet er sich ab, es hatte sowieso nicht funktioniert die Tür zu schließen und so wäre mein Schicksal besiegelt gewesen.

Der Vogel schaut mich verzweifelt an, offensichtlich ist er nicht mehr zum Fliegen in der Lage. Er springt vergebens an der Hauswand entlang. Irgendwann verliere ich ihn aus den Augen und beginne, die letzten Reiseutensilien zusammen zu suchen.

Der Morgen graut. Und ich bin viel zu früh auf den Beinen.

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Montag, 13. Juli 2009

Lebensgefahr

Als ich heute bei Aldi an der Kasse stehe und mich nach gefühlten 30 Minuten des Wartens endlich am Ziel sehe, die Kassiererin schon zielstrebig nach dem Pott Jogurt greift und der Scanner nach neuen, unverbrauchten Barcodes giert, passiert es:


Eine raue, vom Leben gezeichnete Frauenstimme ersucht das Schweigen der Stille. Zunächst kleinlaut, um festzustellen, dass ein gewaltiger Frosch in ihrem Schlund schlummert. Nach einer eher unsensiblen Beseitigung des selben gibt sie in gebrochenem Deutsch zu verstehen, dass ihre Handtasche weg sei.

Vorsichtshalber und vorausahnend zynisch werfe ich einen Blick auf die Uhr.

Der Sachverhalt wird schnell klar: Auf der Ablage neben der Kasse lag bis vorhin noch die Tasche der Kundin. Wie gesagt, bis vorhin. Die Kassiererin wäscht ihre Hände in der Unschuld ihres Blickfeldes, das nicht bis zu erwähnter Ablage reicht und versucht, so gelassen wie möglich mit der Situation umzugehen.

Meine Ungeduld wächst.

Irgendwann erlöst die Kundin uns alle, indem sie die Kassiererin höflich, indirekt und unmissverständlich darauf hinweist, dass der Verdacht eines Diebstahls doch sehr nahe läge, ja, sich quasi aufdränge und die Kassiererin offensichtlich die besten Möglichkeiten hatte, jenes Verbrechen zu begehen.

Glück für mich, da das Gespräch an dieser Stelle endgültig beendet ist und die Kassiererin sich auf keine weiteren Diskussionen einlässt.

Später werde ich in der Blücherstraße fast von einem das Dach herunterstürzenden Stein erschlagen. Dabei hatte ich so sicher mit einer Dachschindel oder einer Regenrinne gerechnet. Irgendwann musste es ja passieren, risikofreudig wie ich nunmal täglich unter den betreffenden Dächern entlangtapere.

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Donnerstag, 2. Juli 2009

Nachbarn

Eine Holzplatte (die Betonung liegt auf "eine", ich habe genau aufgepasst!). Eiche. Rustikal. Ein Schleifgerät. Und nicht zuletzt: Ein ganzer Tag. Gut, dass ich heute große Teile des Tages mit Arbeit verbringen durfte, alles andere wäre unmenschlich gewesen.


Als ich nach hause kam, durfte ich dann noch ausführliche Unkrautvernichtungsmaßnahmen beobachten, was natürlich auf dem Foto nicht ganz zu erkennen ist, da die Masse an Wuchs auf den idylischen Terassen erbitterten Widerstand zu leisten scheint, viel ironischer wirkt dagegen jedoch, dass die abmontierte Toilette eisern ihren Posten hält, was dem Terrain einen ganz besonderen und eigenen Charme verleiht.

Mittlerweile ist wieder eisernes Maschinenschweigen eingetreten und das noch vor der Nachtruhe. Da ich jedoch eine Renovierung in der Nachbarwohnung befürchte, bin ich ganz froh, dass ich das erste Wochenende nicht hier, sondern in der hessischen Heimat verbringen werde.

Über das Entfernen von Unkraut sollte ich auf jeden Fall mal nachdenken.

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Mittwoch, 1. Juli 2009

Erste Eindrücke

Himmel ist es schwer, in einer neuen Stadt Fuß zu fassen!


Heute bin ich intensivst mit der Straßenbahn durch die Gegend gefahren und habe mir mehr oder weniger genau die Umgebung angeschaut.

Am Ende der Blücherstraße ist eine Art Kneipe mit Automaten und Billardtischen, heute morgen begegnet mir ein Mann Mitte 60, der einen Nikotingelben Pferdeschwanz sowie einen grauen Anzug trägt und einen Aldi habe ich immer noch nicht gefunden.

Dafür aber ein kleines, türkisches, leicht überteuertes Lebensmittellädchen, aber das tut es fürs erste auch. Außerdem musste ich heute morgen mit Erschrecken feststellen, dass in der Wohnung weder Fön noch Kaffeemaschine vorhanden sind. Wie haben meine Vorgänger ohne diese Utensilien nur überlebt?

Ich glaube, ein wenig muss ich mich noch einleben und ansonsten gibt es ja in jeder Stadt einen Hauptbahnhof, der vom Geldautomaten bis zur Nagelschere alles bietet, was das Herz und der Erhaltungstrieb verlangen.

Das Foto von heute stammt übrigens aus dem Treppenhaus, einer der ersten Eindrücke die mich hier erwarteten.

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