HeidelBergheim

Mittwoch, 11. November 2009

Spezies: Mensch des 21. Jahrhunderts

Hauptbahnhof Heidelberg, Sonntag Nachmittag. Zunächst erscheint mir alles wie gewohnt, ich schlendere durch die Überführung in Richtung Bahnhofshalle, ergötze mich an der Lächerlichkeit meiner ständigen Angst um wertvolle Minuten bezüglich des Umsteigens am nächsten Bahnhof und stocke plötzlich, als ich feststelle, dass die Bahnhofshalle ungewöhnlich voll ist.


Eine kleine Ansammlung von Menschen, die nicht so aussehen als gehörten sie zusammen, verstopft mit stoischem Blick in ein und die selbe Richtung den Weg zum Vorplatz. Nachdem ich mich durch die Massen gekämpft habe und schon fast an meinem vorläufigen Ziel angelangt bin, überlasse ich meiner Sensationsgeilheit für einen kurzen Moment die Kontrolle über meine Ratio. Mein Kopf schwenkt also unweigerlich nach rechts, um eine kleine Nische in der Masse zu finden und zu entdecken, was so interessant scheint:

In einem Radius von circa fünf Metern haben Polizisten mittels Absperrband einen herrenlosen Koffer gesichert und sind jetzt hauptsächlich damit beschäftigt, die Passanten zum Weitergehen zu animieren. Sofort verlasse ich fluchtartig den Bahnhof und kann mir einige verachtende Gedanken nicht verkneifen.

Wie kann man denn regungslos das verantwortliche Objekt seines möglicherweise kurz bevorstehenden, noch dazu äußerst unschönen, Todes minutenlang anstarren?

Oder anders gefragt: Wie kann man denn stundenlang aktiv die Verbreitung eines unerforschten Virus mittels karnevalesken Rumleckereien an fremden Gläsern, Mündern und Schleimhäuten am ganzen Körper unterstützen?

Und zu guter Letzt: Wie kann man denn dann noch von sich behaupten, die Krone der Schöpfung/der zufällig existierenden Realität und zu allem Überfluss auch noch intelligent zu sein?

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Sonntag, 20. September 2009

Willi Wills Wissen

Willi sitzt im Zug von Frankfurt nach Kassel.

Willi sitzt neben mir.
Willi ist ca. 75 Jahre alt.
Willi war heute mit Schwiegersohn und Enkeln auf der IAA.
Willi sitzt auf der Treppe des Zuges. Neben mir, allerdings so, dass ich ihn nicht sehen kann.
Willi ist dem Biergeruch und der dicken Fußballfanluft im Zug nicht gewachsen.
Willi kann seinen Mageninhalt nicht im Magen halten.
Willi erbricht sich auf sein Poloshirt und in die VW-Tüte.
Willis Erbrochenes riecht nicht gut.
Willi nimmt plötzlich Einfluss auf das ganze Zugabteil.
Willi röchelt ununterbrochen.

Zum Glück ist Willi nicht neben mir gestorben. Und die Eintrachtfans auch nicht.

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Mittwoch, 9. September 2009

Die ganz ganz neuen Leiden des jungen Werther

Nicht nur die Suche nach einem neuen Hausarzt, auch die Tatsache des 09. Septembers, meines ganz persönlichen Monatsendes, erschweren mir derzeit das Leben.


So habe ich derzeit kein Geld für Arznei und bin gezwungen, mich der Restbestände der Wohngemeinschaft zu bedienen. Oben sehen Sie, was damit gemeint ist. Und ja, es schmeckt genau so, wie es aussieht. Ich bin also jedweder Virenart hilflos ausgesetzt, zappele innerlich ob der chronischen Untätigkeit wie ein Maikäfer auf dem Rücken und versuche, die möglichen Nebenwirkungen, die sich mein hypochondrisches Unterbewusstsein natürlich sofort nach dem Lesen der Packungsaufschrift (merke: nicht nach dem Einnehmen, das erst später erfolgt, nein, nach dem Lesen) aneignet und auf den Körper zu übertragen versucht, zu bekämpfen.

Der Vorrat an Taschentüchern neigt sich bedrohlich schnell dem Ende zu und ich sitze völlig rat-, tat- und machtlos daneben.

Ich weiß, es wäre übertrieben, einen nahen Tod zu vermuten, dennoch möchte ich unterstreichen, dass meine Situation durchaus nicht zu unterschätzen ist! (Diese Zeile widme ich Talula.)

Darüber hinaus bleibt es mir natürlich nicht erspart, mir circa zwei bis drei Liter Nasenspray pro Tag durch meine Nebenhöhlen zu pfeifen, was mir selbst ein eher unangenehmes Gefühl und die Angst vor dem allgemein bekannten Suchtpotential dieses Teufelszeugs beschert.

Sie sehen, es steht schlecht um mich. Sollten wir uns an diesem Orte tatsächlich wiedersehen, wie ich hoffe, werde ich Sie hoffentlich wieder mit schadenfrohem Gelächter über andere, tragische Persönlichkeiten und Fremde beglücken.

Wie sonst auch.

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