HeidelBergheim

Montag, 19. Oktober 2009

Allgemeine Landeskunde (1): Italien

Aus rein evolutionären Gründen entscheide ich, dass es doch an der Zeit ist, mal wieder Nahrung aufzunehmen, damit eventuelle Nachkommen keinen Nachteil erleiden müssen. Schriesheim, ganz in der Nähe von Heidelberg, bietet zwar eine imense Fülle an Wein, magenfüllende, vor allem aber sättigende Angebote jedoch sind nicht zwangsläufig in der meinerseits gewünschten Fülle vorhanden.


Ich setze also auf altbewährtes, halte kurz inne und grinse fast stolz, in jedem Falle aber schelmisch in mich hinein, da ich nach dreieinhalb Monaten bereits von altbewährtem rede, und lasse mich im italienischen Restaurant an der Ecke nieder, in dem es die beste Bruschetta gibt.

Wie eingangs bereits erwähnt, trieb mich nicht zwangsläufig ein Hungergefühl, sondern mehr die Vernunft zum Essen. Folglich spähte ich die spärliche kleine Karte auf der Suche nach einer Erfindung der Neuzeit, dem Zwischengang, aus. Nachdem ich Pruschiutto con Funghi ohne Pilze bestellt hatte und mir innerlich gleich nach dem Aufgeben der Bestellung Ohrfeigen en masse verpasste, erntete ich den ersten, völlig zurecht abwertenden und zutiefst verachtenden Blick des italienischen Kellners.

Kellner: "Das heißt, Sie wollen Pruschiutto. Ohne Funghi also."

Innerlich wie äußerlich erötet stimme ich zu und gebe noch an, den Fehler selbst bemerkt zu haben, was nicht gerade entspannend auf die Situation gewirkt hat, was mir wenig später bewusst wurde.

Keine halbe Minute später stand der plötzlich sehr kühl wirkende Mann wieder vor mir um mir mitzuteilen, dass der Ofen kaputt sei.

Ohne lange zu überlegen, da ich den guten Mann seines feurigen italienischen Temperamentes mitten in Schriesheim ja nicht gänzlich entledigen wollte, bestelle ich als Alternative einen italienischen Salat.
Ich habe sein bezauberndes Lächeln für einen kurz Augenblick zurückholen können, sah mich wieder auf der Siegerstraße des diplomatischen Könnens und der internationalen Verständigung, als ich mich sagen hörte: "Aber bitte ohne Ei."

Wort- und Ausdruckslos, völlig entgeistert und kurz davor, mich rauszuschmeißen, drehte er ab um die Bestellung im schlimmsten Gossenitalienisch quer durch das Lokal bis in die Küche zu schmettern.

Mittlerweile hatte meine Hautfarbe ein Grundrot angenommen, dass mir den ganzen Abend erhalten bleiben sollte.

Nachdem ich dann noch ein Drittel der völlig überdimensionierten Portion an Zwiebeln, Käse, Schinken, Radieschen, Gurken, Tomaten und Blattsalate unangetastet lies, war der Abend so gut wie gelaufen.

Dummerweise ging ich auch noch davon aus, diese unglückliche Verkettung unglücklicher Unglücke mit einem satten Trinkgeld ausgleichen zu können. Es stellte sich heraus, dass diese Aktion der Gipfel meiner Respektlosigkeiten gewesen sein musste. Ein letztes verachtendes Grinsen, das Aufwickeln einer seiner italienischen Locken und das aggressivste Ciao meines bisherigen Lebens vollendeten den Abend.

Ich kann nur hoffen, dass er mich nicht dabei erwischt, wie ich den Hund heute Nacht an seine Mauer pissen lassen werde.

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Mittwoch, 23. September 2009

Ohne Worte (2): Driving Home

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Samstag, 19. September 2009

Orange

Es gibt ja viele Klischees über Holländer. Meine Wenigkeit jedenfalls besucht unsere Nachbarn das erste Mal im Leben und ich muss sagen, es ist ein relativ erkenntnisreicher Aufenthalt.

Es ist tatsächlich alles Orange. Das sage ich nicht, um dem Deutschen ein selbstzufriedenes Lächeln ins Gesicht zu zaubern, nein, es ist tatsächlich so. Zumindest meistens. Der erste Eindruck, den ich bekam, war, natürlich, ein Bahnhof. Ich glaube, wenn das so weiter geht, werde ich in einem Jahr jeden Bahnhofspenner beim Namen nennen können.

Der erste Eindruck also war der Bahnhof von Utrecht. Da ich dort nur zehn Minuten Aufenthalt hatte, bis der IC nach Den Haag abfuhr, kann man diesen Eindruck ganz gelassen als unwichtig deklarieren. Der nächste Eindruck war der IC. Vor allem innen mussten sich meine Augen spontan an das grelle Leuchten, dass aus dem Großraumwagen in alle Richtungen strahlte gewöhnen: Orange.

Kurz bildete ich mir auf der Fahrt mit Blick auf die Autobahn ein, Holländer benützten weiße Fahrbahnmakierungen um Baustellen zu kennzeichnen und (selbstverständlich) Orange für den ganz normalen Straßenverkehr. Ich musste allerdings recht schnell feststellen, dass dies ein Trugschluss war.

Bei allen Vorurteilen: Es gefällt mir gut bei unseren Nachbarn. Und die Menschen hier sind äußerst nett und zuvorkommend, allerdings hat man als Deutscher immer das Gefühl, in der eigenen Sprache keine bösen Sachen sagen zu dürfen, da man ja verstanden werden könnte. Also muss ich unbedingt Holländisch lernen.

Übrigens habe ich keinen als generalisiert zu bezeichnenden Phänotypen des gemeinen Holländers erkennen können.

Für das Bild stehe ich heute tief in der Schuld von Talula.

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