HeidelBergheim

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Wohngemeinschaften

Mittellose Menschen, die mehr oder weniger freiwillig zusammenleben dürfen bzw. müssen, eine Wohnung, deren Einrichtung dem unglaublichen Raumangebot einfach nicht gerecht wird und natürlich ein üppig ausgestattetes Wohnzimmer (Foto).


Die Zutaten für mein derzeitiges Übergangsleben. Dazu kommt, dass in diesem Hause immer wieder nette Situationen aufkommen und damit verbunden die überaus spannende Tatsache, dass ausgerechnet unsere Wohnung die einzige im ganzen Haus zu sein scheint, der man keinen Türspion gegönnt hat.

Heute morgen sitze ich im Wohnzimmer und versuche, dem Chaos auf meiner Festplatte gerecht zu werden, während ich darauf warte, dass meine Mitbewohner, die allerspätestens um zehne (Achtung, badisch) aufstehen wollten um Pancakes zu machen, als es an der Tür klingelt. Gemächlich laufe ich durch Wohnzimmer und Flur, gelange an der Tür an, öffne (Gribbeln im Bauch wie immer, es könnten ja wieder die Zeugen Jehovas oder Amnesty International sein), und sehe: Nichts.

Niemand steht da. Etwas verdutzt schließe ich die Tür, ermahne mich selbst zur Rufbereitschaft sobald es klingelt, damit ich diese Schlingel auch bloß erwische, sollten sie es wagen zu nachtschlafender Zeit nochmal meine Klingel zu benutzen.

Es klingelt.

In einer halsbrecherischen Aktion aus Aufspringen, losrennen, die Fernbedienung wieder aufheben und Tür aufreißen gelingt es mir, innerhalb von 1,3 Sekunden vor der geöffneten Tür zu stehen und mit dem in dieser Situation grimmigsten Blick rauszustarren.

Niemand da. Nicht eine Menschenseele auf dem gesamten Flur ist zu sehen, wohl aber das Flurlicht scheint betätigt worden zu sein. Zwangsläufig muss als jemand da sein, ich bilde mir sogar ein, den Feind riechen zu können. In Uhrzeitlicher Schockstarre stehe ich bis an den Rand mit Adrenalin gefüllt im Türrahmen und warte auf meine Beute.

Nach einer halben Minute taucht ein Mann auf: Der Hausmeister (den ich heute übrigens das erste Mal treffe). Es gibt offensichtlich ein Problem mit den Klingeln und der arme, durchaus sympathische Mensch erklärt in seinem badischen Kauderwelsch, wie verzweifelt er danach suche und dass das Haus so groß sei, dass er wohl nie die Lösung fände.

Mein Nachbar, der inzwischen ebenfalls zwei mal an die Tür geeilt ist, beruhigt den guten Mann noch etwas und ich kann mittels Tee meinen Hormonspiegel weitestgehend ausgleichen.

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Montag, 19. Oktober 2009

Allgemeine Landeskunde (1): Italien

Aus rein evolutionären Gründen entscheide ich, dass es doch an der Zeit ist, mal wieder Nahrung aufzunehmen, damit eventuelle Nachkommen keinen Nachteil erleiden müssen. Schriesheim, ganz in der Nähe von Heidelberg, bietet zwar eine imense Fülle an Wein, magenfüllende, vor allem aber sättigende Angebote jedoch sind nicht zwangsläufig in der meinerseits gewünschten Fülle vorhanden.


Ich setze also auf altbewährtes, halte kurz inne und grinse fast stolz, in jedem Falle aber schelmisch in mich hinein, da ich nach dreieinhalb Monaten bereits von altbewährtem rede, und lasse mich im italienischen Restaurant an der Ecke nieder, in dem es die beste Bruschetta gibt.

Wie eingangs bereits erwähnt, trieb mich nicht zwangsläufig ein Hungergefühl, sondern mehr die Vernunft zum Essen. Folglich spähte ich die spärliche kleine Karte auf der Suche nach einer Erfindung der Neuzeit, dem Zwischengang, aus. Nachdem ich Pruschiutto con Funghi ohne Pilze bestellt hatte und mir innerlich gleich nach dem Aufgeben der Bestellung Ohrfeigen en masse verpasste, erntete ich den ersten, völlig zurecht abwertenden und zutiefst verachtenden Blick des italienischen Kellners.

Kellner: "Das heißt, Sie wollen Pruschiutto. Ohne Funghi also."

Innerlich wie äußerlich erötet stimme ich zu und gebe noch an, den Fehler selbst bemerkt zu haben, was nicht gerade entspannend auf die Situation gewirkt hat, was mir wenig später bewusst wurde.

Keine halbe Minute später stand der plötzlich sehr kühl wirkende Mann wieder vor mir um mir mitzuteilen, dass der Ofen kaputt sei.

Ohne lange zu überlegen, da ich den guten Mann seines feurigen italienischen Temperamentes mitten in Schriesheim ja nicht gänzlich entledigen wollte, bestelle ich als Alternative einen italienischen Salat.
Ich habe sein bezauberndes Lächeln für einen kurz Augenblick zurückholen können, sah mich wieder auf der Siegerstraße des diplomatischen Könnens und der internationalen Verständigung, als ich mich sagen hörte: "Aber bitte ohne Ei."

Wort- und Ausdruckslos, völlig entgeistert und kurz davor, mich rauszuschmeißen, drehte er ab um die Bestellung im schlimmsten Gossenitalienisch quer durch das Lokal bis in die Küche zu schmettern.

Mittlerweile hatte meine Hautfarbe ein Grundrot angenommen, dass mir den ganzen Abend erhalten bleiben sollte.

Nachdem ich dann noch ein Drittel der völlig überdimensionierten Portion an Zwiebeln, Käse, Schinken, Radieschen, Gurken, Tomaten und Blattsalate unangetastet lies, war der Abend so gut wie gelaufen.

Dummerweise ging ich auch noch davon aus, diese unglückliche Verkettung unglücklicher Unglücke mit einem satten Trinkgeld ausgleichen zu können. Es stellte sich heraus, dass diese Aktion der Gipfel meiner Respektlosigkeiten gewesen sein musste. Ein letztes verachtendes Grinsen, das Aufwickeln einer seiner italienischen Locken und das aggressivste Ciao meines bisherigen Lebens vollendeten den Abend.

Ich kann nur hoffen, dass er mich nicht dabei erwischt, wie ich den Hund heute Nacht an seine Mauer pissen lassen werde.

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Sonntag, 13. September 2009

Überlebenstips

Sollte einer von Ihnen das Fahrrad auch für Strecken nutzen, die eine Länge von 5 Kilometern überschreiten, empfehle ich Ihnen, die Gefahr eines Wetterumschwungs NIEMALS zu unterschätzen.


Sollten Sie trotz allem trockenen Rades am gewünschten Zielort angekommen sein und der Wettergott zur Heimreise keine Gnade walten lassen, so bleiben Ihnen exakt zwei Möglichkeiten:

1. Suchen Sie sich eine Möglichkeit zum Verweilen. Freunde, Bekannte, Feinde oder Penner, die noch ein Plätzchen unter der Zeitung frei haben. Übernachten Sie, machen Sie sich einen Tee, schauen Sie fern, suchen Sie sich einen Sexualpartner in der Nähe oder vertreiben Sie sich sonst auf irgendeine Art und Weise Ihre Zeit bis zum nächsten Morgen.

2. Fahren Sie nach Hause. Durch den Regen. Im Idealfall haben Sie Jacken, Hüte, Windschutzscheiben und vor allem Schutzbleche in der Hosentasche.

Warum nicht unterstellen? Ganz einfach: Es wir nicht aufhören zu regnen. Die ganze Nacht nicht. Deshalb Übernachtungsmöglichkeit suchen.

Trotzdem wird es selbstverständlich aufhören zu regnen, wenn Sie gerade in Begriff sind, die Haustüre Ihres kalten Heimes zu öffnen, sollten Sie doch im Regen nach Hause gefahren sein.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls Erfolg bei diesem Unternehmen und werde mir jetzt einen weiteren Brennnesseltee machen. Ein ganz wunderbares Wort.

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Mittwoch, 9. September 2009

Die ganz ganz neuen Leiden des jungen Werther

Nicht nur die Suche nach einem neuen Hausarzt, auch die Tatsache des 09. Septembers, meines ganz persönlichen Monatsendes, erschweren mir derzeit das Leben.


So habe ich derzeit kein Geld für Arznei und bin gezwungen, mich der Restbestände der Wohngemeinschaft zu bedienen. Oben sehen Sie, was damit gemeint ist. Und ja, es schmeckt genau so, wie es aussieht. Ich bin also jedweder Virenart hilflos ausgesetzt, zappele innerlich ob der chronischen Untätigkeit wie ein Maikäfer auf dem Rücken und versuche, die möglichen Nebenwirkungen, die sich mein hypochondrisches Unterbewusstsein natürlich sofort nach dem Lesen der Packungsaufschrift (merke: nicht nach dem Einnehmen, das erst später erfolgt, nein, nach dem Lesen) aneignet und auf den Körper zu übertragen versucht, zu bekämpfen.

Der Vorrat an Taschentüchern neigt sich bedrohlich schnell dem Ende zu und ich sitze völlig rat-, tat- und machtlos daneben.

Ich weiß, es wäre übertrieben, einen nahen Tod zu vermuten, dennoch möchte ich unterstreichen, dass meine Situation durchaus nicht zu unterschätzen ist! (Diese Zeile widme ich Talula.)

Darüber hinaus bleibt es mir natürlich nicht erspart, mir circa zwei bis drei Liter Nasenspray pro Tag durch meine Nebenhöhlen zu pfeifen, was mir selbst ein eher unangenehmes Gefühl und die Angst vor dem allgemein bekannten Suchtpotential dieses Teufelszeugs beschert.

Sie sehen, es steht schlecht um mich. Sollten wir uns an diesem Orte tatsächlich wiedersehen, wie ich hoffe, werde ich Sie hoffentlich wieder mit schadenfrohem Gelächter über andere, tragische Persönlichkeiten und Fremde beglücken.

Wie sonst auch.

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Freitag, 4. September 2009

Unverschämte urbane Probleme


Ich stelle mir gerne vor, wie dieser arme Mensch Tag für Tag früher aufsteht, im Dunkel der aktuell nasskalten Seitengassen in Heidelbergs Altstadt gegen 4:30 Uhr in der Früh lauert, bis ein Schatten an der Häuserwand auftauch und blitzschnell an ihm vorbeihuscht. Im Gepäck hat er die Süddeutsche, ein Bildungsbürger, der den Kick sucht.

Denn mal ehrlich: Welcher Kleinkriminelle liest denn tatsächlich die Süddeutsche? Würde er die Bild oder den Express stehlen, so sähe man zumindest das Klischee bestätigt. Aber die Süddeutsche?

Wie man es auch dreht und wendet, eigentlich kommt nur ein Schluss in Frage: es muss etwas persönliches sein.

Bei uns jedenfalls, aufm Dorf, damals, hätte es sowas nicht gegeben! Vielleicht sollte der Geschädigte sich einfach einen geschlossenen Briefkasten zulegen.

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Montag, 31. August 2009

Ästhetik. (2)

Ich sitze mit dem Vorhaben, zu abend zu speisen in Schriesheim vor einem italienischen Café. Hier gibt es die beste Bruscetta die ich in meinem bisherigen, kurzen Leben genießen durfte.


Bis auf eine Wespe, die nur die Spitze des Eisberges sein wird weckt zunächst nichts meine Aufmerksamkeit. Zunächst.

Leider ist die Bedienung nicht nur unfreundlich, inkompetent und erst nach dreimaligem Rufen präsent, sondern auch mit überdimensionierten Schweißringen bestückt. All das tangiert mich jedoch kaum, da ich selbst an diesem Abend nicht gerade auf Kommunikation aus bin und so ignoriere ich das alles und freue mich auf meine Bruscetta und den darauffolgenden Espresso.

Was mir den Aufenthalt wirklich schwer erträglich macht ist zunächst ein Paar mittleren Alters. Beide adipös, beide unglaublich unvorteilhaft gekleidet, stehen sie plötzlich am Tisch neben mir und diskutieren lautstark darüber, ob sie nun den Tisch für zwei oder für vier Personen besetzen sollten. Außerdem sei es eine Frechheit, dass die Sitzgelegenheiten hier so eng gestaltet seien. Ich verkneife mir jeglichen Kommentar, obwohl ich gute Lust hätte ihnen meinen doch sehr zentral gelegenen Platz ein wenig spöttisch anzubieten. Es besteht an diesem abend grundsätzlich das Risiko, in einem Anfall gallopierenden Wahnsinns Dinge zu tun, die ich später sicher bereuen würde.

Kaum habe ich diese Situation gemeistert und meinem inneren Drang widerstanden, folgt die nächste Prüfung meiner selbst: Zwei junge paare, beide mit kleinen, schreienden Accesoiren bestückt, betreten das Lokal. Nun mag man der Meinung sein, dass es abwertend sei, Kinder als Accesoires zu bezeichnen. Ist es auch. Aber genau das waren sie, zumindest für die beiden Paare. Am Ende des Abends wusste ich nicht mehr, welches der Kinder zu welchem Paar gehörte und wer mit wem und überhaupt. Was sie taten war: Schreien. Ich habe mich wieder zügeln können und war nicht minder stolz als bereits zu Beginn.

Das ältere Paar, dass sich gefühlte zwei Stunden von der Bedienung zwecks Eissortenauswahl beraten und über Inhaltsstoffe informieren lies, bildete den krönenden Abschluss meiner Odysee.

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Freitag, 14. August 2009

Erfolg macht sexy

Ich weiß, ich blogge dauernd über öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere die Bahn. Heute habe ich nicht mal ein Bild zu posten.


Allerdings verbringe ich derzeit auch bis zu acht Stunden an einem Tag im Zug und entsprechend drängen sich so manche Situationen einfach auf.

Heute zum Beispiel beobachtete ich folgendes: Zwei Skater, beide ca. 15 Jahre alt nehmen mir gegenüber in einem völlig überfüllten wennichmalgroßbinwerdeicheinzug-zug platz. Beide unterhalten sich über dies und das, unter anderem darüber, dass des einen Freundin zu ihrem Leidwesen feststellen musste, dass ihre Beziehung von rein sexueller Natur ist etc.

Plötzlich jedoch wird es richtig interessant: Einer der beiden beginnt lautstark über seinen Ferienjob zu reden und teilt begeistert mit, dass er sehr, sehr viel Geld verdient hat. Das Geld hat er dabei, teilt er nicht nur verbal mit, sondern präsentiert es sogeilch stolz wie Oskar seinem Freund. 

Leiser, diskreter und vielleicht abseits der Öffentlichkeit und er hätte sich so einige vielsagende Blicke erspart. Andererseits hätte er sich auch ein "raubt mich aus!"-Schild umhängen können.

Bahnfahren bietet einfach unglaublich viel Leben.

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Samstag, 8. August 2009

Die Tücken des Verdrängens

Es gibt Dinge, die wähnte ich bereits in beispieloser Erleichterung weit entfernt von mir und meinem Leben.


Dazu gehören vor allem Mehrbettzimmer und die dazugehörigen Jugendherbergen bzw. christlichen Pilgerstätten. Schon während der Schulzeit verabscheute ich diese Art des Wohnens, vor allem wenn der dicke Mitschüler, dessen Kleidung schon morgens einiges an Gewicht durch das Aufsaugen von Schweiß zunahm, ausgerechnet das Bett neben bzw. über mir als das seine auserkor.

Die Schulzeit neigte sich dem Ende und ich schob die Gedanken und Erinnerungen an diese Art des Übernachtens in die dunkelsten Ecken und Nieschen meines Gehirns, mauerte sie ein und baute niemals eine Tür in jene Mauern.

Vergangene Woche musste ich feststellen, dass ich zum Einmauern Rigipsplatten verwendet hatte, die nun mühelos und mit Macht durchbrochen wurden. Kurzum: Ich hatte einen Lehrgang zwecks Zivildienst zu absolvieren.

(Anmerkung des Autors: Die Beschreibung meiner Erfahrungen aus der Schulzeit ist nicht zwangsläufig gleichzusetzen mit eben jener letzter Woche. Ich bitte, meine Ausführungen nicht als politisches Statement zu sehen, rein rechtlich steht mir dies als ZDL nämlich nicht zu.)

Mangels Internet bitte ich also ob der langen Durststrecke um Entschuldigung. Auch nächste Woche kommt übrigens ähnliches auf mich zu, danach jedoch freue ich mich auf neue Posts (geschrieben auf einem Macbook, was mich noch ein wenig erfreuter auf nächste Woche blicken lässt.)

Das Bild übrigens zeigt die direkte Umgebung meiner Lehrgangsstätte.

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Freitag, 17. Juli 2009

Murphy


W: Guten Morgen!
Yann: Guten Morgen!
W: Bist du nass geworden? Regnet es?
Yann: Ja, wie jeden morgen... Ich muss mir unbedingt mal einen Schirm kaufen.


Gestern begann mein Morgen so:

W: Guten Morgen!
Yann: Guten Morgen!
W: Bist du nass geworden? Regnet es?
Yann: Natürlich nicht, ich habe mir gestern einen Schirm gekauft. Es regnet nicht!

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