HeidelBergheim

Samstag, 7. November 2009

Heil!

Am Mainzer Bahnhof hat entweder irgendjemand irgendetwas ganz gewaltig falsch verstanden oder seinem unbändigen Zynismus freien Lauf gelassen.


So sieht das auch der rauchende Tarnmusterjackenträger, der, mittags um halb zwei sein erstes (?) Köstritzer Schwarzbier trinkend, meine fotografischen Aktivitäten beobachtet.

"Wasn Idiot, der dass da geschrieben hat! Eigentlich müsste da "Heil dem deutschen Reiche" stehen!"

Seine Argumentation als durchaus schlüssig erkannt, wähle ich den Weg der Zustimmung mittels heftigen Nickens, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass der gute Mann ca. zwei Meter größer ist als ich und Köstritzer Schwarzbier um halb zwei am Mittag trinkt. Leider glaubt er aufgrund meiner Zustimmung ganz offensichtlich, dass er in mir einen neuen Freund gefunden hat und beginnt damit, die komplette halbe Stunde Wartezeit die noch verbleibt damit, mich zuzutexten.

Praktischerweise ziehen just in diesem Moment auf der Brücke die Mannschaftsbusse des FSV und der Hannoveraner vorbei, womit praktischerweise auch gleich ein Gesprächsthema gefunden scheint.

Über Politik reden wir allerdings nicht mehr, ich hätte im Nachhinein allerdings sehr an mir interessiert gerne meine Naziqualitäten ausgetestet.

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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Wohngemeinschaften

Mittellose Menschen, die mehr oder weniger freiwillig zusammenleben dürfen bzw. müssen, eine Wohnung, deren Einrichtung dem unglaublichen Raumangebot einfach nicht gerecht wird und natürlich ein üppig ausgestattetes Wohnzimmer (Foto).


Die Zutaten für mein derzeitiges Übergangsleben. Dazu kommt, dass in diesem Hause immer wieder nette Situationen aufkommen und damit verbunden die überaus spannende Tatsache, dass ausgerechnet unsere Wohnung die einzige im ganzen Haus zu sein scheint, der man keinen Türspion gegönnt hat.

Heute morgen sitze ich im Wohnzimmer und versuche, dem Chaos auf meiner Festplatte gerecht zu werden, während ich darauf warte, dass meine Mitbewohner, die allerspätestens um zehne (Achtung, badisch) aufstehen wollten um Pancakes zu machen, als es an der Tür klingelt. Gemächlich laufe ich durch Wohnzimmer und Flur, gelange an der Tür an, öffne (Gribbeln im Bauch wie immer, es könnten ja wieder die Zeugen Jehovas oder Amnesty International sein), und sehe: Nichts.

Niemand steht da. Etwas verdutzt schließe ich die Tür, ermahne mich selbst zur Rufbereitschaft sobald es klingelt, damit ich diese Schlingel auch bloß erwische, sollten sie es wagen zu nachtschlafender Zeit nochmal meine Klingel zu benutzen.

Es klingelt.

In einer halsbrecherischen Aktion aus Aufspringen, losrennen, die Fernbedienung wieder aufheben und Tür aufreißen gelingt es mir, innerhalb von 1,3 Sekunden vor der geöffneten Tür zu stehen und mit dem in dieser Situation grimmigsten Blick rauszustarren.

Niemand da. Nicht eine Menschenseele auf dem gesamten Flur ist zu sehen, wohl aber das Flurlicht scheint betätigt worden zu sein. Zwangsläufig muss als jemand da sein, ich bilde mir sogar ein, den Feind riechen zu können. In Uhrzeitlicher Schockstarre stehe ich bis an den Rand mit Adrenalin gefüllt im Türrahmen und warte auf meine Beute.

Nach einer halben Minute taucht ein Mann auf: Der Hausmeister (den ich heute übrigens das erste Mal treffe). Es gibt offensichtlich ein Problem mit den Klingeln und der arme, durchaus sympathische Mensch erklärt in seinem badischen Kauderwelsch, wie verzweifelt er danach suche und dass das Haus so groß sei, dass er wohl nie die Lösung fände.

Mein Nachbar, der inzwischen ebenfalls zwei mal an die Tür geeilt ist, beruhigt den guten Mann noch etwas und ich kann mittels Tee meinen Hormonspiegel weitestgehend ausgleichen.

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Montag, 19. Oktober 2009

Allgemeine Landeskunde (1): Italien

Aus rein evolutionären Gründen entscheide ich, dass es doch an der Zeit ist, mal wieder Nahrung aufzunehmen, damit eventuelle Nachkommen keinen Nachteil erleiden müssen. Schriesheim, ganz in der Nähe von Heidelberg, bietet zwar eine imense Fülle an Wein, magenfüllende, vor allem aber sättigende Angebote jedoch sind nicht zwangsläufig in der meinerseits gewünschten Fülle vorhanden.


Ich setze also auf altbewährtes, halte kurz inne und grinse fast stolz, in jedem Falle aber schelmisch in mich hinein, da ich nach dreieinhalb Monaten bereits von altbewährtem rede, und lasse mich im italienischen Restaurant an der Ecke nieder, in dem es die beste Bruschetta gibt.

Wie eingangs bereits erwähnt, trieb mich nicht zwangsläufig ein Hungergefühl, sondern mehr die Vernunft zum Essen. Folglich spähte ich die spärliche kleine Karte auf der Suche nach einer Erfindung der Neuzeit, dem Zwischengang, aus. Nachdem ich Pruschiutto con Funghi ohne Pilze bestellt hatte und mir innerlich gleich nach dem Aufgeben der Bestellung Ohrfeigen en masse verpasste, erntete ich den ersten, völlig zurecht abwertenden und zutiefst verachtenden Blick des italienischen Kellners.

Kellner: "Das heißt, Sie wollen Pruschiutto. Ohne Funghi also."

Innerlich wie äußerlich erötet stimme ich zu und gebe noch an, den Fehler selbst bemerkt zu haben, was nicht gerade entspannend auf die Situation gewirkt hat, was mir wenig später bewusst wurde.

Keine halbe Minute später stand der plötzlich sehr kühl wirkende Mann wieder vor mir um mir mitzuteilen, dass der Ofen kaputt sei.

Ohne lange zu überlegen, da ich den guten Mann seines feurigen italienischen Temperamentes mitten in Schriesheim ja nicht gänzlich entledigen wollte, bestelle ich als Alternative einen italienischen Salat.
Ich habe sein bezauberndes Lächeln für einen kurz Augenblick zurückholen können, sah mich wieder auf der Siegerstraße des diplomatischen Könnens und der internationalen Verständigung, als ich mich sagen hörte: "Aber bitte ohne Ei."

Wort- und Ausdruckslos, völlig entgeistert und kurz davor, mich rauszuschmeißen, drehte er ab um die Bestellung im schlimmsten Gossenitalienisch quer durch das Lokal bis in die Küche zu schmettern.

Mittlerweile hatte meine Hautfarbe ein Grundrot angenommen, dass mir den ganzen Abend erhalten bleiben sollte.

Nachdem ich dann noch ein Drittel der völlig überdimensionierten Portion an Zwiebeln, Käse, Schinken, Radieschen, Gurken, Tomaten und Blattsalate unangetastet lies, war der Abend so gut wie gelaufen.

Dummerweise ging ich auch noch davon aus, diese unglückliche Verkettung unglücklicher Unglücke mit einem satten Trinkgeld ausgleichen zu können. Es stellte sich heraus, dass diese Aktion der Gipfel meiner Respektlosigkeiten gewesen sein musste. Ein letztes verachtendes Grinsen, das Aufwickeln einer seiner italienischen Locken und das aggressivste Ciao meines bisherigen Lebens vollendeten den Abend.

Ich kann nur hoffen, dass er mich nicht dabei erwischt, wie ich den Hund heute Nacht an seine Mauer pissen lassen werde.

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Freitag, 9. Oktober 2009

Ohne Worte (3): Hätte nicht gedacht, dass du so drauf bist...

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Samstag, 19. September 2009

Orange

Es gibt ja viele Klischees über Holländer. Meine Wenigkeit jedenfalls besucht unsere Nachbarn das erste Mal im Leben und ich muss sagen, es ist ein relativ erkenntnisreicher Aufenthalt.

Es ist tatsächlich alles Orange. Das sage ich nicht, um dem Deutschen ein selbstzufriedenes Lächeln ins Gesicht zu zaubern, nein, es ist tatsächlich so. Zumindest meistens. Der erste Eindruck, den ich bekam, war, natürlich, ein Bahnhof. Ich glaube, wenn das so weiter geht, werde ich in einem Jahr jeden Bahnhofspenner beim Namen nennen können.

Der erste Eindruck also war der Bahnhof von Utrecht. Da ich dort nur zehn Minuten Aufenthalt hatte, bis der IC nach Den Haag abfuhr, kann man diesen Eindruck ganz gelassen als unwichtig deklarieren. Der nächste Eindruck war der IC. Vor allem innen mussten sich meine Augen spontan an das grelle Leuchten, dass aus dem Großraumwagen in alle Richtungen strahlte gewöhnen: Orange.

Kurz bildete ich mir auf der Fahrt mit Blick auf die Autobahn ein, Holländer benützten weiße Fahrbahnmakierungen um Baustellen zu kennzeichnen und (selbstverständlich) Orange für den ganz normalen Straßenverkehr. Ich musste allerdings recht schnell feststellen, dass dies ein Trugschluss war.

Bei allen Vorurteilen: Es gefällt mir gut bei unseren Nachbarn. Und die Menschen hier sind äußerst nett und zuvorkommend, allerdings hat man als Deutscher immer das Gefühl, in der eigenen Sprache keine bösen Sachen sagen zu dürfen, da man ja verstanden werden könnte. Also muss ich unbedingt Holländisch lernen.

Übrigens habe ich keinen als generalisiert zu bezeichnenden Phänotypen des gemeinen Holländers erkennen können.

Für das Bild stehe ich heute tief in der Schuld von Talula.

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Donnerstag, 10. September 2009

Wehe, wenn!


Die Frage, die sich bei diesem Anblick in der Emil-Maier-Straße zwangsläufig aufdrängt ist doch: "Welche Rechtsansprüche darf ich geltend machen, wenn diese Vollidioten meine Karre abschleppen?"

Andererseits ist das Sprüchlein auf dem Schild so sehr in das Hirn eines jeden zivilisierten Menschen eingebrannt, dass man vor Gericht sicher die Frage beantworten müsste, ob man sich nicht hätte denken können, was einem in der Mittagssonne so unverständlich entgegen schimmerte. Andererseits weiß man unter Umständen nicht einmal, wer einen da vor den Richter gezerrt hat, denn nicht einmal das kann man dem Schild entnehmen.

Auf dem Rückweg war die Fußgängerampel gegenüber des zu sehenden Schildes das erste mal Rot. Das wäre beinahe sehr schief ausgegangen.

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